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Jörg Thiel

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Der unbemerkte Feind in Deinem Körper – Vom Stress zum Burnout

Das kann mir doch nicht passieren! Burnout - das passiert nur den anderen, den Underperformern! So oder so ähnlich denken oft Manager, Unternehmer und Führungskräfte, wenn sie an das Thema Burnout denken. Aber betrifft es wirklich nur die nicht so belastbaren Kollegen? In diesem Beitrag erfahren Sie, was Burnout ist, ob Sie daran leiden und wie man sich selbst helfen kann.

Was ist überhaupt ein Burnout?

Burnout – ausgelöst durch andauernden Stress, gehört heute zu den weltweit schwerwiegendsten und bedeutendsten Krankheitsbildern. Die Krankheit betrifft aber nicht nur Top-Manager, Selbständige und Workaholics. Sie ist in allen Berufen, allen Positionen und allen sozialen Schichten anzutreffen, auch ohne erkennbaren äußeren Arbeitsstress. Es handelt sich um eine sehr individuelles Krankheitsbild, das so individuell wie der Mensch ist.

Daher gibt es für die Krankheit „Burnout“ auch keine einheitliche Definition. Zumeist wird damit ein Zustand starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung durch chronische Überforderung und einhergehendem Stress bezeichnet.

Burnout beeinträchtigt beim Betroffenen das Denken, die Gefühle, den eigenen Körper, die sozialen Beziehungen, am Ende wird sogar das ganze Leben beeinträchtigt.

Obwohl von der Krankheit solch eine Gefahr ausgeht, wird sie häufig zu spät erkannt oder nur unzureichend behandelt. Oft bemerken Erkrankte nicht einmal, das sie an Burnout leiden. Da es ein schleichender Prozess ist, der am Anfang kaum zu bemerken ist, rutschen die Betroffenen einfach immer tiefer in die Krise.

Burnout ist neben der direkten negativen Beeinflussung auf den Körper und Geist des Betroffenen ein ernst zunehmender Risikofaktor für das Auftreten anderer schwerwiegender Krankheiten. So begünstigt Burnout z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose sowie Diabetes und verkürzt unbehandelt die Lebenserwartung.

Wie erkenne ich, das ich Burnout-gefährdet bin?

Es gibt keinen Test, mit dem sich Burnout einfach diagnostizieren lässt. Grundlage ist stets das Gespräch zwischen einem Arzt bzw. Therapeut und dem Patienten.

Häufig wird dabei der von der US-amerikanische Psychologin Christina Maslach entwickelte „Maslach Burnout Inventory“-Fragebogen (MBI) verwendet. Als Hauptmerkmale des Burnout definierte sie dabei emotionale Erschöpfung, Gleichgültigkeit und Zynismus (sogenannte Depersonalisation) sowie verringerte Leistungsfähigkeit.

Im folgenden möchte ich Ihnen eine Einteilung von 12 Stufen an die Hand geben, mit denen man einen Selbsttest durchführen kann, um zu sehen, ob und wie schwer man bereits an einem Burnout erkrankt ist.

Die ersten drei Stufen können bei jedem immer mal wieder situativ auftreten, sollten aber nicht über einen längeren Zeitraum anhalten.

In den Stufen 4 bis 8 ist es sinnvoll sich eine Beratung zu holen oder einen Coach zu konsultieren, da hier bereits die körperliche und seelische Gesundheit als auch das soziale Leben betroffen sein können.

Spätestens ab Stufe 9 ist es ratsam, eine psychotherapeutische oder ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ab der Stufe 11 ist wegen der akuten Gesundheitsgefährdung dringend eine
ärztliche Behandlung notwendig.

Die 12 Stufen des Burnouts

(nach Herbert Freudenberger & Gail North (Freiburg, 1992))

Hinweis: Es müssen nicht zwingend alle Symptome der einzelnen Stufen auftreten. Die Übergänge zwischen den Stufen können auch verwischen.

STUFE 1: Der Zwang sich zu beweisen

  • Besondere Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit
  • Erhöhte Erwartungen an sich selbst
  • Übersehen eigener Grenzen und Zurückstellen eigener Bedürfnisse

STUFE 2: Verstärkter Einsatz

  • Besondere Bereitschaft zur Übernahme von neuen Aufgaben
  • Freiwillige Mehrarbeit und unbezahlte Überstunden, auch an freien Tagen, am Wochenende und in der Urlaubszeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit

STUFE 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

  • Chronische Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  • Erhöhter Konsum von Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten
  • Gelegentliche Schlafstörungen

STUFE 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

  • Fehlleistungen: Es werden z.B. Termine vergessen, versprochene Aufgaben nicht erledigt, es kommt zu Ungenauigkeiten, Energiemangel, Schwächegefühl
  • Aufgabe von Hobbys

STUFE 5: Umdeutung von Werten

  • Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Meiden privater Kontakte, die als belastend empfunden werden
  • Probleme in der Beziehung, die auf das eigene Belastung zurückzuführen sind

STUFE 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme

  • Gefühl mangelnder Anerkennung, Desillusionierung
  • Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, „Innere“ Kündigung
  • Vermehrte Fehlzeiten, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss

STUFE 7: Rückzug

  • Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühle, innere Lehre
  • Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität
  • Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit
  • Psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck

STUFE 8: Deutliche Verhaltensänderung

  • Eigenbrötelei, Selbstmitleid, Einsamkeit, ärgerliche Reaktionen auf gut gemeinte Zuwendung
  • Verringerte Initiative – verringerte Produktivität: Dienst nach Vorschrift
  • Verflachung des sozialen Lebens: Gleichgültigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Verflachung des sozialen Lebens: Wenig persönliche Anteilnahme an anderen, gleichzeitig exzessive Bindung an Einzelne, Meidung beruflich sozialer Kontakte

STUFE 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

  • Entfremdung, Gefühl des Abgestorben seins und innere Leere
  • Automatenhaftes Funktionieren
  • Psychosomatische Reaktionen treten noch mehr in den Vordergrund

STUFE 10: Innere Leere

  • Wechsel zwischen starken schmerzhaften Emotionen und dem Gefühl, innerlich abgestorben zu sein
  • Phobische Zustände, Panikattacken und Angst vor Menschen
  • Eigenbröteleien, Einsamkeit, negative Einstellung zum Leben
  • Fallweise exzessive sinnliche Befriedigung, z.B. Kaufräusche, Fressattacken, exzessiver Sex ohne wirkliche Befriedigung

STUFE 11: Depression und Erschöpfung

  • Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit
  • Erschöpfung, starker Wunsch nach Dauerschlaf
  • Existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken und -absichten

STUFE 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

  • Lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung
  • Angegriffenes Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-DarmErkrankungen
  • Suizidalität, Selbstmordgefahr

Was kann ich tun, wenn ich an Burnout erkrankt bin?

Neue Vorsätze erfolgreich umsetzen

Eins vorweg – Burnout ist heilbar, es ist kein angeborenes Leiden oder eine Willens- oder Leistungsschwäche.

Jedoch gibt es für Burnout keine Standardtherapie. Die Behandlung muss individuell auf den Patienten abgestimmt erfolgen.

Jeder hat seine eigenen persönlichen Trigger, die Stress und Überlastung auslösen. Jeder hat seinen eigenen Tagesablauf und befindet sich in einer individuellen Lebenssituation.

Merkt man, das man sich in einem frühen Stadium (etwa bis zur Stufe 4) des Burnout befindet, kann man selbst mit Stressbewältigungstechniken, Zeitmanagement, Entspannungstechniken und der Klärung eigener Prioritäten oft schon viel erreichen.

Wichtig ist dabei nur, das man seine Situation anerkennt und bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen.

So kann man z.B.:

  • Die eigene Erwartungshaltung überdenken: Muss man das perfekt machen, muss man das überhaupt machen, ist das überhaupt meine Aufgabe?
  • Seine Arbeitssituation verändern: Kann man Arbeitsabläufe anders organisieren, sich Hilfe von erfahrenen Kollegen holen, intensiver mit Kollegen austauschen, eine Weiterbildung im Zeitmanagement besuchen, ggf. mit dem Vorgesetzten sprechen, wenn das möglich ist. 
  • Stress-Bewältingungsstrategien erlernen: Herausfinden was überhaupt stresst? Warum stresst es? Muss es stressen? Wie kann man einen Ausgleich herstellen? Gibt es Verhaltensmuster, die zu der Stresssituation beitragen, die man einfach ändern kann? Kann man Entspannungstechniken wie z.B. Meditation oder Progressive Muskelrelaxation erlernen, einfach mal wieder zum Sport gehen, am Besten in einer Mannschaft oder mit einem Freund.
  • Pausen und Freizeit einplanen: Plant man Zeit für regelmäßige und hinreichende Pausen? Nutzt man sie für ein bewusstes Mittagessen oder einen Spaziergang. Sind Zeiten festgelegt, zu denen man erreichbar ist? Außerhalb dieser Zeiten ist das Telefon aus und eMails sind tabu. Ach ja, und das Handy hat nichts im Schlafzimmer neben dem Bett verloren.
  • Soziales Netz pflegen: Partner, Freunde und Familie geben Rückhalt, insbesondere, wenn man sich Ihnen öffnet.
  • Gesunder Lebenswandel: Achtet man auf seinen Schlaf (ausreichend, regelmäßig), ohne Fernseher, Handy und Laptop. Bewegt man sich regelmäßig, so sind z.B. 10.000 Schritte am Tag ein gutes Ziel. Ein einfacher Fitnesstracker hilft dabei und motiviert. Ein schöner Spaziergang am Abend mit dem Partner tut gut. Achtetet man auf eine gute Ernährung, mit viel frischem Obst / Gemüse sowie guten Fetten und wenig Fleisch und Süßspeisen. Trinkt man genug, mindesten 2,5 Liter am Tag am Besten Wasser.

Wenn Ihnen das alles zu kompliziert vorkommt oder Sie einfach nicht von alten Gewohnheit loslassen können, dann holen Sie sich doch einfach Hilfe von einem geeigneten Coach oder Berater. Dann wird vieles ganz einfach. Und es ist bestimmt keine gute Idee, alles auf einmal umsetzen zu wollen – Stichwort Stress :O)

 

Fazit:

Wenn man feststellt, das man an Burnout erkrankt ist, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Man kann viel selber dafür tun, seine Situation zu verbessern. Aber ab einem bestimmten Punkt ist es einfach ratsam, sich professionelle Unterstützung zu holen – sei es in einem ersten Schritt in Form einer Beratung oder eines Coachs, in fortgeschrittenen Stadien von einem Psychotherapeuten und/oder Arzt.

Burnout ist heilbar, man muss ihn nur erkennen und bereit sein, etwas dagegen zu unternehmen.

Brauchen Sie Unterstützung? Weitere Informationen finden Sie unter https://www.personal-training-thiel.de

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